Im November 2015 zog Lew von Berlin auf‘s Land nach Niedersachsen und damit zu unserem Ifa, um letzte Umbau- und Überholungsarbeiten zu verrichten, mit dem Ziel der Großreisetauglichkeit: über Mittel- und Südeuropa soll uns unsere Route durch Zentralasien führen mit dem Ziel Mongolei. Im März 2016 zog ich hinterher, und wir beide arbeiteten uns die Hände wund in der Annahme, wir räumten im Juli das Getreidefeld. Dieses wurde dann vom Landwirt geräumt, und wir durften unerwartet und mittlerweile müde vom Schrauben den Herbst begrüßen. Ein unangenehm mahlendes Geräusch, welches sich bei der ersten Probefahrt im Juli bemerkbar machte, gab den Anlass dafür, dass eine Überholung sämtlicher Lager und Getriebe stattfand (mitunter mehrmals). Wider Erwarten wurde drei Monate später die werksneue (!) Kardanwelle als Übeltäterin entlarvt. Schlussendlich sollten wir ihr dankbar dafür sein, dass sie als am unverdächtigsten galt und erst spät auffällig wurde – ohne diesen Gang über die Via Dolorosa der Reparaturen hätten wir mit Sicherheit die unangenehmen Abenteuer einer großen Reise kennengelernt: Getriebeschaden in der Wüste, Lagerversagen auf der Autobahn. Als Anfang Oktober die erste „geräuschfreie“ Probefahrt gelang, reichten Lews und meine Nerven gerade noch für einen festen Blick und ein kurzes Zunicken, für Freudenschreie war es noch zu früh. Am 10.10.16 verließen wir die Grenzen Bremens und Niedersachsens und sind bis heute jeden Tag erneut davon begeistert, dass der Motor auf Befehl anspringt, sich scheinbar freut, eine Maschine zu sein und das tut, was eine Maschine soll: laufen.

Wann genau eine so große und lang geplante Reise beginnt, lässt sich eigentlich kaum sagen. Wahrscheinlich hat sie bereits vor Jahren begonnen, als Lew und ich erste ernsthafte Planungen machten. Andererseits muss ich mir immer noch in manchen Momenten im Cockpit sitzend bewusst machen, dass ich tatsächlich unterwegs bin und mich die nächste Straßenbiegung nicht wieder zurück bringt. Wie auch immer, der Ifa bewegt sich…

Kalkalpen Trämpl
Kalkalpen Trämpl

…nun auch jenseits der Grenzen Deutschlands.

Nach letzten Abschieden von Freundinnen und Freunden in München und im Allgäu, haben wir eine Erfahrung gemacht, die sicherlich die gesamten nächsten Monate prägen wird: man darf planen, anders kommt es sowieso. So befinden wir uns nun dort, wo wir gar nicht sein wollten: in Österreich. Und noch unerwarteter ist die Tatsache, dass es uns bislang gut bekommt. Das liegt nicht nur am Besuch der Karate-WM in Linz oder an der bezaubernden Donau, sondern auch an der doch erstaunlich reisendenfreundlichen Infrastruktur, die wir hier vorfinden (wir befinden uns immer noch in der Warm-up-Phase!). Wahrscheinlich, weil die Hauptsaison bereits vorbei ist und sich niemand mehr für ein in Wäldern und Wiesen herumstehendes Großfahrzeug interessiert. An dieser Stelle sollte nochmals betont werden, dass der Ifa keinen einzigen Tropfen Öl oder Diesel an Stellen hinterlässt, wo er nicht hingehört – Lager und Getriebe sind einfach dicht, die Ökosysteme der Nationalparks werden von uns kaum berührt!

In den kommenden Tagen müssen wir nun auf ein paar Berge in den Kalkalpen und bei Kärnten, um zu sehen, welcher Weg uns aus diesem alpinen Land wieder herausbringt, denn an Italien halten wir noch immer fest.

Wichtig für die Reise 1: nicht jede Warnung ernst nehmen
Wichtig für die Reise 1: nicht jede Warnung ernst nehmen
Wichtig für die Reise 2: entspannt genug sein, um auch mal Extremtourismus zu betreiben
Wichtig für die Reise 2: entspannt genug sein, um auch mal Extremtourismus zu betreiben
Morgens vor dem „Schlafzimmerfenster": Nebelberge von Ruanda (Donau)
Morgens vor dem „Schlafzimmerfenster“: Nebelberge von Ruanda (Donau)

 

 

2 Kommentare

  1. Schön von euch zu hören! Wie sieht das Auto denn von innen aus, gibt’s da auch ein Foto zu?
    Beste Grüße tm

  2. Hallo, liebe Nomaden der Strasse, der Anfang ist gemacht, und scheinbar war es ja auch ein guter Start, weiter so!! Ich wünsche euch „viel Glück und viel Segen auf all euren Wegen“, in Gedanken und mit dem Finger auf der Landkarte werde ich euch begleiten …
    Alles alles Liebe

    Muddi

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