Wir haben die Eulen vergessen!

Einige Tage ist es mittlerweile her, dass Lew seinen Dachschaden in Tripoli behoben hat. Die Beschaffung eines Alubleches und die Suche nach einem geeigneten Platz für die Reparatur (Parkplatz hinter einem Trash-Laden) waren erfolgreich, das Zeitfenster, das für zum Beheben des Schadens zur Verfügung stand, war knapp, in den Tagen des offenen Daches hat es beinahe unaufhörlich geregnet.

Dach mit Schaden
Dach mit Flicken und Sikaflex

Über Náfplion, Mykene, Epidauros und Akrokorinth führte uns unsere Route an den Kanal von Korinth. Dank einer Piste, die oberhalb des Kanals entlang führt, kann man sich dem Kanal nähern, so weit man es selbst für vertretbar hält, denn die Wände, die weder Beton noch eine Spundwand vorweisen, sind brüchig. Als in den frühen Morgenstunden vor dem Küchenfenster ein mittelgroßes Frachtschiff vorbeizog, hatte ich den Eindruck, der Erhalt des Kanal sei dadurch gesichert, in dem die Schiffe mit ihren Back- und Steuerbordseiten bei der Durchfahrt die Kanalwände abtragen. Für mich ergab sich die Gelegenheit einer morgendlichen Fahrt über die Schotterpiste entlang des Kanals und der schaurigen Abbruchkante. Ifa und ich als Fahrerin befinden uns immer noch in der Phase des Kennenlernens, jedoch mit Aussicht auf Erfolg.

Im Kanal von Korinth
Am Kanal von Korinth
Über dem Kanal von Korinth

Ehemals das wichtigste Nadelöhr für den Warenhandel zwischen Europa und Asien, war die Nacht am Kanal auch für uns ein denkwürdiger Moment: mit der Überschreitung des Kanals haben wir uns ein wenig widerwillig von der Peloponnes verabschiedet und befinden uns nun auf dem griechischen Festland direkt in Athen.

Nun befinden wir uns also im pulsierenden Herzen des Landes. Um dem Abenteuer „Ifa im Stadtzentrum“ zu entgehen, haben wir uns einen schicken Platz direkt am Strand des mondänen Vorortes Glyfada ausgesucht. Passend zum Strand kam die Sonne zurück, und ich bewundere die Einheimischen für ihre toughness, in der Morgensonne bei 6°C erst einmal ein mindestens halbstündiges Bad im Meer zu nehmen, während ich im Pullover und mit Mütze und Tee in der Hand auf dem Kies beobachtend sitzen bleibe.

Morgensonne auf der Schnauze

Athen ist groß, eng, verzichtet beinahe gänzlich auf Grünflächen oder anderweitig verschwendete Flächen und strotzt vor Häuserschluchten. Dabei bleibt die Millionenstadt unaufgeregt, besitzt mit Piräus und den alten Hafenbecken, in denen Fischerboote nebst Yachten in Hotelformat anlegen, eine Kulisse an der Küste, die mich als großer Fan des Hafens erfreut, erstaunlicherweise kann man hier den günstigsten Kaffee bekommen und besten gegrillten Fisch direkt in der Markthalle. Übrigens ist auch Athen ein Beispiel dafür, dass bei millionenschweren Baumaßnahmen für sportliche Großereignisse ein Konzept für eine sinnvolle nachhaltige Nutzung fehlt oder es nie umgesetzt wird – das olympische Dorf und einige Austragungsorte liegen brach, traurig hängen die fünf Ringe über ihnen. Die Sportanlagen in Olympia werden auch sie überleben.

Während wir in Mykene und Epidauros über die Überreste von Grabanlagen und Tempeln stolperten, wird im Archäologischen Nationalmuseum Licht ins Dunkel gebracht: die Goldschätze, die Heinrich Schliemann Ende des 19. Jahrhunderts freigelegt hat, sind hier (allesamt?) untergebracht, nicht zuletzt die Maske des Agamemnon, von der man trotz ihres immer noch gültigen Namens mittlerweile weiß, dass sie Agamemnons Gesicht nie berührt hatte und als Totenmaske für einen unbekannten Mann angefertigt wurde. Böse Zungen behaupteten sogar, Schliemann selbst hätte sie aus purem Narzissmus nach seinem Ebenbild angefertigt, dass der Geizkragen besonders dünnes Gold verarbeitet hätte, sei ein Indiz dafür. Für mich bleibt die Ähnlichkeit zwischen Sokrates und Marx verblüffender.

Heinrich Schliemann
Agamemnon? Heinrich?

Im Schritttempo haben wir die vergangenen eineinhalb Monate Peloponnes bereist, um Sandkörner und Überreste der Antike in aller Ruhe zu betrachten, um Erholung und eine Menge griechischen Kaffee mitzunehmen. Ab jetzt wird das Gaspedal stärker belastet. Abgesehen von ein paar kurzen Zwischenstationen in Mittelgriechenland, z.B. bei den übelriechenden aber wärmenden Thermalquellen der Thermopylen, ist der nächste größere Stopp Istanbul. Mit einem großen Sprung wird es auch dann weitergehen, Mitte Februar wollen wir in Antalya sein, wo Lew und ich uns freuen, nach Monaten der Zweisamkeit in der Ferne einen guten Freund aus Berlin zu treffen.

1 Kommentar

  1. Obwohl es ja nun schon ewig zurückliegt, bin ich sehr froh, die Wohntürme auf Foto gesehen zu haben, bemerkenswerte Bauten und bei aller Wehrhaftigkeit auch noch ganz schön.
    Schön, dass das Loch wieder geflickt ist und der Kanal, das ist ja unglaublich. Er sieht ja außerordentlich abenteuerlich aus. Wie Ihr drin schwimmen konntet, ist mir ein Rätsel.
    Habt Ihr in Athen auch Brüder und Schwestern von Anna gesehen oder sind die … ausgewandert worden?
    Alles Gute für die Reise nach Istanbul. Hätte ich auch immer gerne mal gesehen und hoffe, bald was aus Eurer Sicht zu erfahren.
    Liebe Grüße

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