Mittlerweile liegt auch Tiflis schon weit hinter uns. Lew war heil aus Deutschland zurückgekehrt und wir setzten unseren Weg durch die Türkei fort. Bei diesem zweiten Türkeibesuch wählten wir die schnelle Strecke entlang der Schwarzmeerküste. Eine heillos zugebaute Küste, die zwar schöne Aussichten auf das Schwarze Meer während der Fahrt auf der Hauptstraße bietet, jedoch aus genau dem gleichen Grund nicht zu entspannten Stopps einlädt. Man muss es sich so vorstellen: das Meer trifft auf einen maximal acht Meter breiten zugemüllten Strand, hinter dem sich die vierspurige Hauptstraße anschließt, auf deren andere Straßenseite die ersten Häuserreihen der ineinander übergehenden kleineren und größeren Städte aufragen. Zudem mussten wir erleben, dass die türkische Polizei mit beinahe noch größerer Skepsis als im vorherigen Jahr sämtlichen Personen begegnet, deren Tun und Treiben ihnen verdächtig erscheint. Wenn man sich beispielsweise gerade ostwärts Richtung Istanbul bewegt, kann man den Verdacht erwecken, dass man sich eigentlich gerade auf dem Weg in den Irak befindet. Angst und Misstrauen scheinen den Beamten in den Knochen zu stecken bei gleichzeitigem Streuen des gleichen. Leider wird es zunehmend und spürbar ungemütlich in der Türkei.

Und plötzlich fanden wir uns in der EU wieder – zum Glück in Griechenland, das uns schon zu Beginn der Reise so gut getan hat.

Der Metsobo-Chrysobitsa-Grebenitio-See bei Ioannina.
Baikal light.

In Griechenland stand uns Urlaub in Aussicht, sprich wir mussten lediglich unseren Freund Ali in Patras abholen, das Badezeug bereit legen und nur dem Geruch des Salzwassers folgen. Ali, der uns bereits im Frühjahr 2017 in der Türkei ein Stück weit auf den Weg gebracht hat, ist uns nun nach über 40 Megametern auf unserem Rückweg entgegen gekommen. Urlaub hieß dieses Mal: die entzückendsten Strandbuchten aufsuchen, baden gehen, Souvlaki grillen, die Ereignisse der vergangenen Monate in Berlin und Zentralasien zusammentragen und wieder baden gehen. Es gibt kein geeigneteres Land dafür als Griechenland!

In Bildern sah das dann ungefähr so aus:

Hat man Meerzugang, braucht es nicht sehr viel mehr.
Außer vielleicht noch eine Feuerstelle für Gegrilltes.
Kein Wüstensand, dafür mit Bademöglichkeit.
In der schönen Ochsenbauchbucht.
Badewanne am Morgen.
Manchmal haben wir auch einen Spaziergang gemacht – aber nur einen kurzen.
Tavernen haben wir dagegen häufiger aufgesucht.
In Griechenland sucht man nicht lange nach entlegenen Stränden.
Sowieso haben wir uns nur die nettesten Stellplätze ausgesucht.
Dieses Mal wog der Abschied von einem Freund nicht mehr so schwer. Und wie man Selfies macht, haben wir im Iran beigebracht bekommen.

Wenn Lew und ich auf die Karte schauen, ist die Distanz zwischen dem Balkan und Deutschland fast nur noch zwei Finger breit. Wir können uns noch gut daran erinnern, dass wir vor noch gar nicht allzu langer Zeit auf russische Straßenschilder blickten, auf denen eine Entfernung von über einem Megameter bis zur nächsten Großstadt angezeigt wurde. In Europa dagegen scheint sich alles in einem engen Ballungsgebiet zu tummeln. Die Grenzübertritte hier sind so langweilig und zügig, dass wir es kaum noch bemerken, eine Grenze überschritten zu haben. Das alles sorgt fast täglich dafür, dass wir uns wehmütig an die aufregenden, abenteuerlichen und manchmal auch nervenaufreibenden Stationen der vergangenen Monate erinnern. Ein Blick nach vorn verspricht uns aber auch, all die lieben Leute wiederzusehen, die wir lang genug vermisst haben – ein starker Trost. Und ein bisschen Ruhe stellt sich langsam ein, da einige Dinge keinen größeren Organisationsaufwand mehr verlangen und das Unvorhersehbare nicht mehr ganz so unvorhersehbar ist, wenn man sich in gewohnteren Gefilden bewegt. Wobei ich schon jetzt kaum noch nachvollziehen kann, was so wild an einer Doppelgelenkwelle sein soll, die sich mitten in der Gobi zerlegen will. Das ist schließlich kein Problem, sondern eine Herausforderung.

Unvorhersehbare Begegnung mit einer Schildkröte, die von der Straße gerettet wurde.
Ein Strand am Abend, wo die Reisereflexionen stattfinden.

Was steht jetzt noch an? Momentan befinden wir uns in Mazedonien mit Kurs auf Albanien. In Montenegro wollen wir ein bisschen Bergwandern, in Slowenien eventuell noch einen Zwischenstopp machen. Nach eineinhalb Jahren werden wir dann wieder den deutschsprachigen Raum betreten.

Ein erstes Foto am Tag.

Ich werde es vermissen, morgens mit der Kamera die ersten Sonnenstrahlen festzuhalten.

2 Kommentare

  1. Hoppla, jetzt gehts zügig! Wollt ihr denn die Balkan“autobahn“ an der Adria hochkacheln, oder fahrt ihr etwas durchs Kontinentale. Montenegro war ich auch schon – ganz hübsch im Landesinneren. Falls ihr einen herausfordernden Grenzübertritt sucht, dann nehmt den nördlichsten nach Bosnien. Eine Schotterpiste am Berghang, die immer schmaler wird und irgendwann eine klapprige Holzbrücke, wo so zwei kleine Grenzerhäußchen stehen. Bei Gegenverkehr muss meist ein Fahrzeug zurücksetzen, bis genug Platz ist aneinander vorbei zu kommen. Und das alles in Winnetou-Landschaft.
    Naja gute Reise noch und schönen Gruß aus dem Krankenhaus

  2. Und denkt bitte daran, mir den weltbesten Aschenbecher wieder mitzubringen.

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