Der Deutz läuft im IFA.

Der Rahmen des W50s ist ein paar Zentimeter breiter als der Rahmen des Magirus, aus dem der Deutzmotor stammt. Die Magirus-Halterungen waren noch am Motor vorhanden. Nun könnte man diese etwas verbreitern durch „Anbraten“ eines Stückes Blech. Das wollte ich aber nicht. Der Umbau schön sein und nicht hingebastelt aussehen. Deswegen war klar, dass ich neue Halterungen konstruieren und bauen würde. Die alten Halterungen wurden trotzdem auf die Schnelle breiter gebraten, aber nur, um den Motor provisorisch einzusetzen.

Ein freunlicher Nachbar war so nett mit seinem fahrenden Hebegerätzu helfen. Er hob den IFA-Motor vom Tisch und den Deutz hinauf. Mit dem bekannten Kettenzug bugsierte ich den neuen Motor auf seinen improvisierten Halterungen in seine neue Höhle. Dort wurde er dann eine Weile hin- und her- und vor- und zurückgeschoben, bis die Position gefunden wurde, in der er sein restliches Leben verbringen sollte.

Der Deutzmotor steht auf dem Tisch vor dem W50.
Der Deutzmotor steht auf dem Tisch vor dem W50.

Bei der Positionierung gab es eine Menge zu bedenken. Der Deutz sollte so weit nach vorne wie möglich. Durch die zwei Getriebe bleibt sehr wenig Platz für die Kardanwelle (die sich zwischen Magirus-Schaltgetriebe und IFA-Schaltgetriebe befindet). Diese braucht eine gewisse Mindestlänge. Später fand ich dann auch eine passende Welle mit einer Gesamtlänge von 33 Zentimetern; das war aber nicht einfach. Aber ich greife vor – zurück zum Thema.

Ein Rahmen-Querträger wollte auch bedacht sein. Er musste verschoben werden und sollte vor den neuen Motor wandern. Also dort genügend Platz lassen, auch wenn der 913er vorrückt.

Die seitliche Ausrichtung – nach Steuerbord und Backbord – brauchte ebenfalls Überlegung. Die Gewichtsverteilung ist am besten, wenn der schwere Motor mittig ist. Nun befindet sich jedoch einiges Gestänge und die Gangschaltung auf Backbord (der Fahrerseite), was ich nicht alles umbauen wollte. Auch ist der W50-Motortunnel leicht versetzt. Deswegen beschloss ich, den Motor 25 Millimeter nach Steuerbord zu verrücken.

Die Eibauhöhe musste festgelegt werden. So tief wie möglich: Der Schwerpunkt eines Geländewohnmobils will weit unten sein. Die einfedernde Vorderachse soll natürlich die Ölwanne nicht berühren können.

Der Deutzmotor vor dem W50 in Nahaufnahme.
Der Deutzmotor vor dem W50 in der Nahaufnahme.

Irgendwann war die richtige Position gefunden und alles bedacht. Es musste aber noch beschlossen werden, auf welchen Lagerblöcken das neue Motörchen liegen sollte. Diese Blöcke bestehen hauptsächlich aus Gummi und entkoppeln die Maschine schwingungsmäßig vom Rest des Fahrzeugs. Außerdem verhindern sie, dass der Motor an dieser Stelle den Rahmen versteift. Der neue Motor hat in etwa das Gewicht des alten IFA-Motors, jedoch mehr Drehmoment (was auch auf die Lagerung wirkt) und ein zusätzliches Schaltgetriebe. Dieses Getriebe ragt heckseitig als langer Hebel an der Kupplungsglocke nach hinten. Das hat der IFA-Motor nicht. Ich beschloss vorne die IFA-Lagerungen zu verwernden, hinten jedoch stärkere einzubauen. Ein schneller Blick auf eBay bescherte mir zwei unbenutzte Emma-Motorlagerungen, die nun eine neue Wohnstätte am Deutz im W50 gefunden haben.

Der Deutzmotor provisorisch im W50.
Der Deutzmotor liegt provisorisch im W50, damit Maße abgenommen werden können.

Die Maße waren festgelegt und die zwei IFA- und zwei Emma-Lagerblöcke hielt ich in der Hand. Nun konnte ich mich an mein Linux setzen und die neuen Halterungen zeichnen. Für die vorderebürgerte sich aufgrund einer unbedachten Dateibenennung die Bezeichnung „Killerflügler“ ein. Die hinteren Halterungen heißen „Ohren“. Die Einzelteile der Halterungen ließ ich per Laser ausschneiden (was heutzutage zum Glück nicht mehr viel Geld kostet) und wir haben sie dann gebogen, verschweißt und lackiert.

Der Deutzmotor wurde mit dem Flaschenzug aus dem Wagen gezogen, mit dem Killerflügler und den Ohren bestückt, und wieder hineingezubbelt. Schnell waren an den richtigen Stellen im Rahmen ein paar Löcher für die Gummilagerungen gebohrt und alles angeschraubt. Seitdem ist die neue Maschine an ihrer Position und scheint sich dort wohl zu fühlen.

Ein eindrucksvoller Arbeitsschritt war geschafft. Der neue Motor sitzt im Truck und fällt nicht mehr hinaus. Simple Geister (wie ich zu diesem Zeitpunkt) könnten nun denken, dass ein Großteil der Arbeit getant wäre. Mitnichten! Die Arbeit hatte erst gerade begonnen.Es war Sommer 2012 und ich ahnte noch nicht, dass es bis zum März 2013 dauern sollte, bis das Ifchen sich selbsttätig mit und durch den Deutzmotor bewegen konnte.

Die von mir gezeichnete vordere Motorhalterung.
Die von mir gezeichnete vordere Motorhalterung.
Der BF6L913 läuft im IFA W50.
Der BF6L913 läuft im IFA W50.

Im Herbst und Winter gab es viel zu konstruieren, zu beschaffen und zu schrauben. Es folgt eine Liste der einzelnen Baustellen. Die normale Wartung wie Filter-, Öl- und Keilriemenwechsel, kleine Reparaturen oder Lackarbeiten unterschlage ich mal.

Baustellen am neuen Motor

  • Die Luftansaugung
  • Verbindung des Deutz-Kompressors zur IFA-Luftdruckanlage
  • Die Abgasanlage mit neuem Diffusor
  • Anschluss an die W50-Servolenkung
  • Verlegung der Dieselleitungen
  • Hydraulifizierung der mechanischen W50-Kupplung
  • Änderung des Öleinfüllstutzen und Peilstabes
  • Elektrischer Anschluss der Lichtmaschine und des Anlassers
  • Elektrischer Anschluss des Ventils zur Mehreinspritzung beim Startvorgang
  • Bau eines Gasgestänges zur anderen Motorseite
  • Anpassung der W50-Schaltgestänges
  • Ein neues Fußbodenblech auf der Fahrerseite

Diese Dinge sind seit dem Frühling 2013 fertig. Einige stehen noch aus: Der elektrische Anschluss der Warnanlage bei gerissenen Keilriemen und bei fehlendem Öldruck und die Fernschaltung für das zusätzliche Schaltgetriebe. Auch überlege ich den Motortunnel abzusenken, da der neue Motor ja nun deutlich tiefer sitzt beziehungsweise weniger hoch baut. Mehr dazu auf dieser Website, sobald es etwas zu berichten gibt.

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